Der imaginäre Freund.

Weihnachtszeit. Wir feiern Christi Geburt. Ok, sicherlich nicht wir alle, aber ein paar Leute gibt es wohl noch, die zumindest eine Ahnung davon haben, was da vor 2000 Jahren in Bethlehem angeblich passiert sein soll. Maria und Josef, die Sache mit der Herberge, ein Engel, irgendwas mit Hirten und drei Weise aus dem Morgenland mit unnützen Präsenten. Bis auf das Gold natürlich.

Ich muss da mal ein Geständnis machen: Ich bin Christ. Evangelisch getauft, konfirmiert und danach sogar noch gut 10 Jahre in der Kirche bzw. einem christlichen Verein aktiv gewesen. Inklusive Freizeiten, Jugendgruppen, Gottesdiensten und das alles auch als Mitarbeiter. Und trotzdem war ich in den letzten Jahren in keiner Kirche mehr und habe mich auch gestern wieder bewusst dagegen entschieden.

Es ist nicht die Sache mit dem unsichtbaren, höheren Wesen, die mich damals aus der Spur gebracht hat. Ich bin ein rational denkender Mensch und finde dennoch die Aussicht auf ein Leben nach dem Tod und den Gedanken an etwas Größeres als den Menschen und seine mickrige Erde durchaus ganz nett. Aber ich habe von Anfang an ein Problem damit gehabt, dass Gläubige so gerne darauf verzichten, selbstständig zu denken, lieber Tatsachen verleugnen und Andersdenkende diskriminieren.

Wie kann man bitte schön an der Evolutionstheorie zweifeln? Wie kann man die Liebe zwischen Mann und Mann / Frau und Frau krank finden? Wie kann man behaupten, dass die Bibel Wort für Wort stimmt und das alles darin auch heute noch ganz genau so aktuell und angemessen ist?

Auch ein Atheist wird zugeben müssen, dass einige Grundideen an sich schon Sinn machen: Du sollst nicht töten / ehebrechen / stehlen, die Nächstenliebesache oder generell der ganze Tenor, dass man ruhig ein guter Mensch sein sollte. Aber dann diese Überheblichkeit dabei. Ich will einfach niemanden bekehren. Ich muss nicht für die verlorene Seele des unbescholtenen aber ungläubigen Freundes beten, wenn mein Nebenmann in der Kirchenbank nach der Arbeit noch die verheiratete Nachbarin vögelt, dem aber vor dem jüngsten Gericht eh vergeben wird, weil er ja schließlich Christ ist. Blödsinn.

Mich stört kein Kreuz an der Wand irgendeines Klassenzimmers. Mich stört es nicht, wenn die muslimische Kollegin beim Grillen ihre Extrawurst braucht oder wenn der Atheist über all das nur den Kopf schüttelt. Leben und leben lassen. Aber wenn einem die Kirche mit ihren Verboten und antiquierten Ansichten an 364 Tagen im Jahr gegen den Strich geht, sollte man nicht am 365. Tag reumütig im Weihnachtsgottesdienst hocken.

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