Wenn ich einmal groß bin, werde ich…

Tja. Das wollte schon vor 20 Jahren jedes Schulfreundealbum von mir wissen. Mit acht Jahren schrieb ich meistens Tierärtzin da hinein. Mit TeeZet. Dann wollte ich ganz kurzzeitig Polizistin werden. Aber wenn man sich auf dem Dorf mal so umschaut, bekommt man schnell den Eindruck, dass man da eigentlich nur Schützenfestumzüge absperrt und nachts Autos anhält. Was vermutlich auch stimmt. Also doch Architektin. Häuser zu entwerfen klang total cool. Bis mein Vater mir erklärte, wie das in der Branche so abläuft. Gerade als weibliche Architektin auf dem Bau. Und Innenarchitektin kam nie in Frage, ich hab’s generell nicht so mit Killefit und kunstvollem Dahindrapieren.

Groß bin ich nun schon eine Weile und zwei Studiengänge später mache ich irgendwas mit Medien. Irgendwas trifft es gerade ganz gut, denn obwohl ich offiziell nur die Stelle eines „Online Media Manager“ bekleide, mache ich alles querbeet. Das hat den Vorteil, dass man hinter zumindest weiß, was man im nächsten Job nicht mehr machen will. Anzeigenplanung zum Beispiel. Anzeigenverkäufer, also die am anderen Ende der Leitung, sind nämlich gemeinhin ziemlich penetrante Zeitgenossen, die außerdem auch noch äußerst schnippisch reagieren, wenn man ihnen sein Budget nicht in den Rachen werfen möchte. Dann wird aus dem Telefonschmuser schon mal der Telefonsatan höchstpersönlich, in dessen Gegenwart sich Teenagertöchter in der Pubertät beschämt die Ohren zuhalten würden. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Ob ich nun will oder nicht, wird sich meine Position in den nächsten Wochen und Monaten verändern. Die Frage ist nur, ob ich da mitmachen möchte. Aus der Rolle des AvD käme ich dann in die des großen Delegators. Aber habe ich da wirklich Bock drauf? Ich hasse es stundenlang rumzudiskutieren, ob man einen Button nun Maigrün oder Grasgrün macht. Da bin ich mehr der Macher. Ausprobieren, Entwurf vorbereiten und im Zweifelsfall behaupten, dass der Rest irgendwie kacke aussah. Fertig.

Ich bewundere Leute, die sich auf einem ganz bestimmten Feld total gut ausgekennen, darüber bloggen oder Vorträge halten. Dieses eine Feld suche ich noch für mich. SEO/SEM lägen im Online Marketing natürlich nahe, aber das ist mir persönlich viel zu dröge. Zum Programmieren bin ich zu blöde. Für Social Media Marketing ist mein Drang zur übertriebenen Selbstverherrlichung zu klein. Und E-Mail Marketing ist das drunk texting der Kommunikationsbranche.

Also lasse ich mich mal überraschen, was die kommenden Monate so bringen. Vielleicht stolpere ich ja ganz aus Versehen in den Beruf, der mir das Nörgeln abgewöhnt? Auf dem Aktion-Mensch-Los in meiner Schreibtischschublade sollte meine Zukunftsplanung jedenfalls nicht unbedingt aufbauen. Wie sehr freue ich mich doch auf meine Karriere als Fensterrentner… aber bis dahin dauert es wohl noch gut 40 Jahre.

 

Nachtrag: Ich habe meine Berufung gefunden.

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4 Gedanken zu „Wenn ich einmal groß bin, werde ich…

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