Ei, Ei, Ei…

Gerade am Ende eines Telefonats mit einem mir bis dato völlig fremden Vertriebler:

„Frohe Ostern. Freuen Sie sich schon auf’s Eierverstecken?“

„Ja, sehr.“

„Das ist schön. Für Ihre Kinder? Sie haben doch bestimmt Kinder.“

„Nein.“

„Ach, für den Liebsten?“

„Nein. Für mich.“

„Wie?“

„Naja, ich verstecke die morgens um 6. Da kann ich mir eh noch nichts merken*. Danach werde ich mich noch mal 4-5 Stunden hinlegen und irgendwann mittags mein Osterkörbchen mit lauter Überraschungen füllen.“

*bin ich hoffentlich noch betrunken

„Oh… äh… das klingt schön. Viel Spaß dabei.“

Unterschwelliges, unangebrachtes Mitleid. Nicht schwingt schöner mit und beschleunigt so sehr meinen Reflex, den Telefonhörer mit Schmackes auf die Gabel zu knallen. Ich werde den Ostersonntag auf dem Sofa verbringen, Schokoladeneier inhalieren und niemand kann mich davon abhalten. Kein Freund, dessen Eltern spontan zum Mittagessen einladen. Oder noch schlimmer: Spontan vorbeikommen („Ist 11:30 Uhr ok für euch? Wir haben die Jacken schon an.“). Meinen Kindern werde ich später eventuell erzählen, dass sie an Ostern die Süßigkeiten verstecken müssen und Mami sie suchen darf. Und behalten. So ist der Plan.

Vielleicht blogge ich hier in zehn Jahren aber auch über meine beiden kleinen Stöpsel, die den Schoko-Osterhasen bis zu den Ohren im Gesicht verteilt haben (so wie Mami wahrscheinlich auch). Vielleicht bin ich dann gerade auf dem Sprung zum Osterbrunch bei einer anderen Familie mit zwei weiteren kleinen Stöpseln, noch mehr Kalorien auf dem Tisch und Deko-Eiern im Vorgarten. Spießer-Anna Galore. Vielleicht. Vielleicht stolpere ich aber auch in zehn Jahren noch am Osterwochenende nachts aus der Kneipe, in der ich mal wieder einen wunderbaren Abend mit der Nicht-Familie verbracht habe.

Und mit dieser Vorstellung im Kopf vergesse ich jetzt einfach die unüberlegten Äußerungen eines Fremden und freue mich schon mal präventiv auf ein langes, freies Osterwochenende.

 

Ein Gedanke zu „Ei, Ei, Ei…

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