Flieht, ihr Narren.

Bielefeld entwickelt sich zu einer Medienstadt. Mit Uni und FH Bielefeld, der FH des Mittelstands und der Hochschule OWL nur drei Käffer weiter sollte es hier eigentlich reichlich Nachwuchskräfte für eine Marketingstelle geben. Dennoch sind Abteilungsleitung und Personalbetreuung seit zwei Monaten vergeblich auf der Suche nach einem Nachfolger für meine Stelle und haben zuletzt drei Absagen in Reihe kassiert. Allesamt akzeptable Kandidaten, aber kein besonderes Highlight. Durchschnitt für eine durchnittliche Firma. Aber wieso will es einfach nicht klappen?

Vielleicht liegt es daran, dass die Verbreitung der Stellenausschreibung von zwei Personen koordiniert sind, die zuletzt im vergangenen Jahrtausend auf Jobsuche waren. Zur Verdeutlichung: Das war vor 9/11, vor der Euroeinführung und bevor Scary Movie 1 in den Kinos anlief. Damals gab es halt nicht so viel Internet. Deshalb werden hier noch immer sämtliche Ausschreibungen ausschließlich über das Arbeitsa… Entschuldigung… über die Agentur für Arbeit online gestellt. Bekanntlich nicht die erste Anlaufstelle für junge, webaffine, kreative Arbeitskräfte mit einem Intellekt über dem des gemeinen Pegida-Anhängers.

28167-fly-you-foolsBöse Zungen behaupteten schon, dass ich dahinter stecke. Zugegeben, ich habe das ein oder andere Mal gescherzt, ich würde potentielle Bewerber heimlich warnen. Ihnen Zettelchen mit Warnhinweisen zustecken, SOS mit der Taschenlampe durch die Glasscheibe funken oder nachts einen Pferdekopf ins Bett legen.

Aber das wäre ja völliger Blödsinn, soll doch jeder für sich selbst herausfinden, wie gut er in diesen Laden passt. Schließlich halten es zahlreiche Kollegen schon seit Jahrzehnten hier aus. Ja, ich bin auch immer wieder aufs Neue darüber entsetzt. Man verdient mehr als in den meisten Agenturen in der Gegend, hat halbwegs geregelte Arbeitszeiten und Weihnachtsgeld gibts auch noch, wenn man artig war.

Aber irgendwas scheint die Bewerber dennoch abzuschrecken, selbst wenn sie zufällig über die Stellenanzeige gestolpfert sind und den Weg ins Bielefelder Outback gefunden haben. Ob es an den leeren, hoffnungslosen Augen liegt, die jeden Neuankömmling ängstlich mustern? Das würde zumindest erklären, weshalb ich demnächst nicht mehr am Eingang sitzen darf, sondern einen Platz hinter zwei Regalreihen bekomme.

Schreibe einen Kommentar