Das Stellenbörsen-Bullshit-Bingo.

Ein schneller Blick über die erste Seite des geöffneten Jobportals verrät: Das schwedische Möbelhaus sucht einen neuen Goods Flow Manager, dem Tennisturnier sponsernden Textilhersteller fehlt ein Visual Merchandiser Stores SD und beim regionalen Mähdrescherproduzenten gibt es ein Gap Year Program „Marketing“ zu gewinnen.

Ähm. Hä?

Ich brauche nur fünf Minuten durch die bekannten Stellenbörsen zu blättern, Verzeihung, durch die Online Job Markets zu browsen und habe direkt Kopfschmerzen. Was waren das schöne Zeiten, als der Vision Clearance Engineer noch ein Fensterputzer war und der Content Manager ein Redakteur. Erstere Profession übe ich zugegebenermaßen nur alle zwei Jahre aus und das auch nur, falls Merkus, Venus und Rainer Calmund ein gleichseitiges Dreieck am Firmament bilden. Wahrscheinlich fehlt mir deshalb oft der nötige Weitblick.

Als Redakteur betätige ich mich allerdings gerne hin und wieder. Privat hier und beruflich theoretisch für unsere Kunden. Doch leider bin ich Content Manager. Massenproduzent statt Schreiberling. SEO-optimiert, auf Conversions gedrillt und das so schnell wie möglich. Mit den englischen Jobtiteln wurde nicht nur den Berufsbezeichnungen der Charme genommen, irgendwie leidet auch die Tätigkeit selbst darunter.

Apropos leiden. Zwischen als den gruseligen Wortneuschöpfungen und dem Berater-Bullshit-Bingo empfahl mir eines dieser Portale eine Weiterbildung zur Pathologin. Pathologie, die Lehre vom Leiden. Nun, generell ist das gar kein so abwegiger Gedanke. Als Marketingtante bin ich es gewohnt, Leute auszunehmen und die ein oder andere Leiche im Keller zu haben. Projekte werden gründlich auf Herz und Nieren geprüft und dennoch packt man manchmal auch beherzt in die Scheiße.

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr Argumente finde ich, die für diese Berufung sprechen. Als Pathologin könnte ich immer einen weißen Kittel tragen, was mir eine gewisse Autorität gebe würde. Ich würde stundenlang durch Mikroskope starren und die Stirn dabei nachdenklich und leicht besorgt in Falten legen. Ich könnte genüsslich mein Mittagessen essen, während eine Mageninhaltsprobe in der Zentrifuge zentrifugiert. Und mir meine selbst geschossenen Gruselbildchen auf die Zigarettenpackung kleben.

Doch das Beste am Beruf der Pathologin wäre: Ich könnte endlich in Ruhe arbeiten, ohne dass mir die anwesenden Personen auf den Sack gehen. Denn wenn sie das doch mal tun, hat irgendjemand anderes zuvor aber mal so richtig Mist gebaut.

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