Und ich kurv hier rum? Ohne mich.

Nein, ihr täuscht euch nicht, der Titel ist tatsächlich an Grönemeyers Mambo angelehnt. Der Song, in dem er gefühlt 39 Minuten darüber jammert, dass er keinen Parkplatz findet. Die Bewohner der Bielefelder Westens werden das kennen. Wir leben eben in einer Stadt, die dafür konzipiert wurde, dass man zu Fuß mal eben zur Nachbarin rüberschlurfte. Möglichst ohne dabei vom Mistkutscher überfahren zu werden. Für mich ideal.

Im Sauerland, immerhin 22 Jahre lang meine Heimat, sah ich das noch anders. Dort machte jeder an seinem 18. Geburtstag den Führerschein und die besonders Glücklichen (meistens die mit väterlichem Nutzviehbetrieb) bekamen auch direkt ihr erstes Auto dazu. Endlich konnte der 50er-Roller eingemottet werden, mit dem man die letzten drei Jahre die Dörfer unsicher machte. Wer an seinem Geburtstag nicht selbst an der Schule vorfuhr, der war ganz sicher durch die Prüfung gerasselt. So etwas wusste sofort die ganze Stufe. Wer keinen eigenen fahrbaren Untersatz besaß, der konnte sich jederzeit am elterlichen Fuhrpark bedienen. Wie sonst sollte man spontan den 30 km entfernten Burger King unsicher machen? CO2 und Feinstaub gab es damals schließlich noch nicht, das ist so eine neumodische Erfindung der Städter.

Dementsprechend blöd habe ich geguckt, als mir hier in Bielefeld die ersten Menschen ohne Führerschein begegneten. Was ist denn bei denen bloß schief gelaufen? Zu dumm? Zu arm? Gesundheitlich eingeschränkt? Junge, du hast doch Augen im Kopp und mindestens einen funktionierenden Arm, wieso fährst du kein Auto?! Als Student kein eigenes Fahrzeug zu besitzen, konnte ich gerade noch so nachvollziehen. Danach war das für mich so ein Ökoding. Seht mich an, ich schone die Umwelt! Radfahrende Mittvierziger mit Helm und hochgekrempeltem Hosenbein können aber auch wirklich sehr mahnend gucken. Nun bin ich selbst seit einigen Jahren berufstätig und habe dennoch kein Auto. Hoppala.

Eigentlich fand ich Autofahren ja schon immer doof. Naja, das Fahren an sich nicht. Aber das Ein- und Ausparken. Da bin ich ein wandelndes Klischee. Und die anderen Autofahrer. Wenn diese Sachen nicht wären, fände ich Autofahren eigentlich ganz gut. Aber leider sind das Faktoren, die sich hier in der Stadt nicht umgehen bzw. umfahren lassen und deshalb lass ich es lieber ganz sein. Doch vielen potentiellen Arbeitgebern scheint dieser Schritt sauer aufzustoßen.

Wer außerhalb Bielefelds arbeiten möchte und gleichzeitig kein Auto hat, der wird direkt als unflexibel abgestempelt. Dass zwischen 5 Uhr morgens und Mitternacht im Halbstundentakt Bahnen vor der Firmenhaustür abfahren, ist dabei völlig unerheblich. Ich möchte nicht mit mir zusammenarbeiten müssen, nachdem ich 50 Minuten gestresst durch den morgendlichen Berufsverkehr geschlichen bin. Das sind Dinge, die kann kein Kaffee dieser Welt wieder ausgleichen. Ich bin weder Staubsaugervertreterin noch Avonberaterin, also bitte liebe Chefs dieser Welt, lasst mich doch einfach Bus- und Bahnfahren und über Weichenstörungen und unerwarteten Schneefall im Januar schimpfen. Danke.

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