Durch die Nacht mit Bela B.

5. Mai 2014, kurz vor 21 Uhr, die Verfasserin dieses Blogeintrags steht vor der Bühne und hibbelt. Gleich soll er auf die Bühne kommen, der Humanboss, der Pornoboy, der Graf. Na gut, ein „Boy“ ist Bela B mit 51 wirklich nicht mehr, aber nach 34 Bühnenjahren hat man doch irgendwie Narrenfreiheit. Mittlerweile vergisst er seine Texte zwar eher wegen des Alters und nicht mehr wegen Alkohol und anderen Substanzen, aber irgendwie ist er immer noch punk. Bewusst als Adjektiv benutzt. Denn anders als Campino hat er sich nicht auf der Schiene des Altpunks festgefahren. Die Soloprojekte sind noch weniger Punk Rock als die letzten drei Ärzte-Alben und beim Konzert wird auch deutlich, wieso das so sein muss.

Es war mein drittes Solokonzert des Herrn B, dreimal Ringlokschuppen, dreimal vorne links in der zweiten Reihe. Die ersten beiden Auftritte und Alben waren die eines Showmasters im silbernen Pailettenanzug. Am Montag betrat allerdings ein deutscher Johnny Cash die Bühne. Im Westerhemd mit Tolle und Akustikgitarre. Aber das aktuelle Album „Bye“ und die neue Begleitband Smokestack Lightnin‘ hatten diese Entwicklung doch schon sehr deutlich gespoilert. Die waren übrigens auch gleichzeitig die Vorband, what a crazy random happenstance. Den Frontmann am Kontrabass fand ich aber 2009 schon ziemlich cool. Damals, als Smokestack Lightnin‘ noch vor Bela B y Los Helmstedt spielten. Und die neue Frontfrau, Miss Peta Devlin, passte auch wunderbar in diese ganze Country-Geschichte mit hinein. Manch einer wird sie als Teil von Oma Hans kennen und irgendwie sagt das auch schon alles.

Das Konzert selbst war wieder einmal toll. Aber eben ganz anders, als irgendein vorheriges Solokonzert von ihm oder geschweige denn ein Auftritt von den Ärzte. Mehr so schubbidu und schwing den Po. Was mich beim Album noch gestört hat, gefiel mir live echt gut. Genauso wie die Country-Twist-Version von „Manchmal haben Frauen“. Wenn der alte Mann mit dem Tamburin über die Bühne swooft, dann macht das einfach gute Laune.

Mehr von den alten Songs wäre schon nett gewesen. Mehr schnelle Nummern, bei denen jeder hätte mitsingen können. Das hätte der Stimmung gut getan. Wobei ich selbst von mir positiv überrascht worden bin und alle neuen Lieder von Anfang bis Ende auswendig konnte. Und das obwohl ich das Album nach der Veröffentlichung letzten Monat echt stiefmütterlich behandelt habe. Aber vielleicht bin ich nach 16 Jahren einfach so drin, dass ich die Reime im Zweifelsfall auch selber schreiben könnte. Vielleicht nicht alle, denn manche Strophen hätten auch dem merkwürdigen Verstand des Farin U. entsprungen sein können.

Der kleine Streichholzmann war von dem Zündholzmädchen sofort fasziniert
So war er schon in ihrem Bann, bevor er wusste, was ihm da passiert
Er hat in ihr auch gleich die Liebe seines Lebens erkannt
Da fing sie an zu glühen und sie sind aneinander verbrannt

Kleiner Streichholzmann
Was tust du dir an?
Wenn die Glut erlischt
Bleibt am Ende nischt

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Projekt: Watchlist.

Wahrscheinlich ist es selten dämlich von mir, das gerade jetzt anzugehen, wo das Wetter doch bitte besser werden soll,  aber irgendeine Ausrede würde ich wohl immer finden. Vielleicht ist es aber auch ziemlich clever, weil jetzt langsam das Serien-Sommerloch beginnt. Ich habe mir jedenfalls fest vorgenommen, endlich einmal mit System einige cineastische Bildungslücken zu schließen. Ja, die habe ich und das aus fast jedem Jahrzehnt und Genre. Schon vor gut drei Jahren habe ich dafür mal so richtig einen auf den Deckel gekriegt, weil ich unter anderem „No Country for Old Men“ und „Memento“ noch nicht kannte. Welch Fauxpas! Welch Frevel! Und das als Studentin der Medienwissenschaften. Damals habe ich unter Anleitung schon einmal so eine Watchlist angelegt, total professionell mit dem Windows Texteditor. Leider habe ich dieses Meisterstück mittlerweile irgendwo auf dem Laptop verklüngelt. Tja, dumm gelaufen.

Screenshot_2014-04-28-10-31-47Ab jetzt wird aber alles anders. Ich ackere aktuell die IMDb-App durch und markiere fleißig Dinge. Wahrscheinlich wird das so viel Zeit in Anspruch nehmen, dass ich gar nicht mehr zum Filmegucken komme. Aber der Wille ist da.

Diese Liste wird nun stetig wachsen. Durch das was ich selber finde, aber vor allem auch durch Filmtitel, die ich irgendwo aufschnappe. Das hat in den letzten Monaten eigentlich schon ganz gut geklappt, auch ganz ohne App. Filme wie „North by Northwest“, „The Princess Bride“ oder ganz frisch „Mystery Science Theater 3000: The Movie“ haben mich gar wunderbar unterhalten. Und das obwohl ich die Aufmerksamkeitsspanne eines Hamsters auf Koffein habe und bei anderen Filmen auch schon mal alle zwanzig Minuten zurückspulen darf, weil ich die komplette letzte Szene nicht mitbekommen habe.

Ach ja, um Missverständnissen vorzubeugen: Ich bin beileibe kein Film-Noob. Bei allen Produktionen ab 1999/2000 fühle ich mich voll im Bilde. „Back to the Future I-III“ oder auch „Blues Brothers“ kann ich praktisch mitsprechen. Aber ich bin halt noch nicht sooo lange in einem Alter, wo man von sich aus auch mal einen Film raussucht, der nicht erst vor einigen Tagen im Kino angelaufen ist. Da denkt man sich nun doch eher selten „Ei der daus, jetzt ein Film mit Gary Cooper, das wär’s!“. Bis auf ein paar wenige Ausnahmen. Meine Eltern haben mich mit Edgar Wallace und Margaret Rutherford als Miss Marple großwerden lassen und diese Sachen liebe ich heute immer noch.

Lovehatetragedy.

Wie argumentiert man richtig, was man an einer Band eigentlich gut findet? „Sie gefällt mir halt“ wird nicht wirklich als Begründung akzeptiert. Bei den Ärzten fand ich früher™ die Texte immer so lustig. Heute „weilwegenisso“. Die Frage, was ich denn so für Musik höre, finde ich auch total gruselig. Entweder ist man mit dem Gegenüber schnell auf einer Wellenlänge oder man sucht so lange nach einer Mainstreamcombo, bis das Kennichnicht… kennichnicht… kennichnicht… endlich aufhört. Wobei das nicht ganz so schlimm ist wie „Aha. [Pause] Geschmäcke sind halt verschieden. [Theatralischer Schluck Bier] Hmmhmmm.“.

Manchmal komme ich mir auch vor wie in so einer Selbsthilfegruppe. „Hallo, mein Name ist Anna. Ich habe früher Nu Metal gehört und bin seit acht Jahren trocken.“ – „Hallo Anna.“ Dabei fand ich das damals gar nicht peinlich, sondern eigentlich ziemlich toll. Meine CD-Sammlung von damals bestand eben aus Linkin Park, Drowning Pool, Limp Bizkit und Papa Roach. Die von den Menschen um mich herum aber auch. Und ich war eher vorneweg und nicht nur schnöder Mitläufer. Natürlich hatte ich auch The Offspring, NOFX und bunt gemischten deutschen Punkrock im Regal, aber das war mehr so für mich. Der Rest war, zumindest bei uns, durch den ganzen Freundeskreis hindurch kompatibel. Und ich fand’s tatsächlich gut.

Nun sind Papa Roach dieses Jahr also auf dem Serengeti Festival mit dabei. Mich freut’s. Natürlich ist das schon etwas länger nicht mehr meine Musikrichtung. Aber damals halt schon und da hängen echt viele richtig gute Erinnerungen dran. Papa Roach habe ich am 6.6.2005 sogar einmal live im X in Herford gesehen. Ach, Coby Dick, der olle Selbstdarsteller. Das Konzert war vielleicht nicht gerade der beste Gig meines Lebens, aber bei mir ist der immer noch total präsent im Kopf. Vielleicht auch weil ich da damals zu zweit mit einem vor ewigen Zeiten sehr guten Kumpel hin bin. Mit dem ich mich aber in den 1 1/2 Jahren davor in einer Tour gezofft hatte. Das volle Programm mit „du kannst gerne kommen, aber XY ist auch eingeladen“. Wir sind da trotzdem zusammen hin und danach ging’s mit uns wieder. Und das weiß ich heute noch.

Deshalb gönnt mir meinen (manchmal) etwas skurrilen Musikgeschmack und meine Vorfreude. Es findet sich sicherlich mindestens eine weitere Band, zu der man gemeinsam den Laden auseinandernehmen kann.

Keep your loved ones close.

 

Wahrscheinlich habe ich 80% derer, die sich hier auf die Seite verirren, schon einmal mit diesem Video genervt. Aber es muss hierhin. Punkt. Sonst würde hier was fehlen. Ganz am Ende meiner Unilaufbahn innerhalb von zwei Tagen entstanden ist es schlicht und einfach mein Baby.

The Day after the Day of the Doctor.

Da war es. Das von mir lang erwartete Doctor Who Special zum 50. Geburtstag der Serie. Und es war zum Glück wahrlich fantastisch.

Ich werde hier keine Zusammenfassung abliefern und auch nicht groß spoilern. Das dürfen gerne andere übernehmen. Nur so viel: Ich habe noch nie ein derartiges Publikum in einem Kinosaal erlebt. Was für eine Stimmung. Und das in Bielefeld! Links neben mir ein älteres Ehepaar, das wahrscheinlich schon die ersten Jahre der Serie aktiv miterlebt hat. Schräg vor mir ein kleines Mädchen, vielleicht vier Jahre alt. Mit einem Sonic Screwdriver der grün leuchtete, oben aufklappte und das typische Geräusch macht. Ich bin immer noch ein wenig sehr neidisch…

Generell war es faszinierend, wie viele Menschen mit DW Shirt, Bow Tie, Sonic Screwdriver und sogar Fez plötzlich durch das Cinemaxx liefen. Wenn einem ein Mittvierziger vom Typ verbeamteter Englischlehrer auf der Treppe in einem kompletten Eleventh Doctor Outfit entgegen kommt, ist das schon echt richtig irritierend. Aber schön. Richtig schön. Ich habe die relativ spontane Entscheidung, doch dafür ins Kino zu gehen, keinen Moment bereut. Ok, die Serientrailer von Fox mit der deutschen Synchro blende ich mal besser aus. Aber sonst war’s schon so ziemlich perfekt.

Coal-Hill-Anniversary

Ich habe das Special auch sicherlich nicht zum letzten Mal gesehen. Allein um die ganzen Anspielungen noch einmal bewusst wahrzunehmen, muss das noch mal sein. So bloody brilliant.

Das gilt natürlich auch für die Performance von Smith, Tennant und Hurt. Ich hätte mir gewünscht, dass Hurt mehr Screening Time für sich alleine bekomme hätte. Was macht diesen alten Mann aus, dass sich Milliarden Daleks vor ihm fürchten und der Ältestenrat der Time Lords ihn zeitgleich aber am liebsten selbigen zum Fraß vorwerfen möchte?

Vielleicht gibt es dazu ja irgendwann eine Minisode. Und vielleicht verrät mir dann auch jemand, wie Smith mit Clara auf dem Arm wieder aus seinem Time Stream herausgekommen ist. Diese Unwissenheit macht mich ganz kirre.

Doctor what?

Vorneweg die Warnung, falls jemanden das Thema sowieso schon nervt und er die Überschrift auch noch versehentlich überlesen hat: Achtung, Achtung, hier geht es um Doctor Who.

Eigentlich gibt es zwei Gruppen von Menschen: Die einen kennen und lieben die Serie. Der Rest guckt sich jetzt mal „Doctor Who explained in 25 GIFs“ vor dem Weiterlesen an.

Doctor Who wird dieses Jahr stolze 50, deshalb auch momentan das ganze Bohei um die Show. Na gut, zwischen 1989 und 2005 war, von einem Fernsehfilm mal abgesehen, Pause. Dennoch wird diese Laufzeit wohl höchstens noch von Agatha Christie’s Theaterstück The Mousetrap im Londoner West End getoppt. Ein tolles Stück übrigens. Und eine urige Location. Wer in London ist, sollte sich das ruhig einmal anschauen. Aber ich schweife ab.

Nächsten Samstag läuft die Jubiläumsfolge zum 50. Geburtstag und das weltweit fast zeitgleich sowohl im Fernsehen, als auch in vielen Kinos in 3D im Originalton. Und man höre und staune: Bielefeld macht mit. Ich habe ein wenig mit mir gerungen, ob ich wirklich mit ins Kino möchte. Doctor Who ist für mich sonntags mit Kaffee auf dem Sofa sitzen und wehe mich stört jemand. Sogar Twitter ist dann mal für eine Dreiviertelstunde aus. Ich werde vorsichtshalber die kleine Klappaxt im Handtäschchen haben. Falls jemand quatscht, kann ich dann direkt ein Exampel statuieren.

Zur Serie gekommen bin ich übrigens wie die Jungfrau zum Kind. Nacht einem Buffy-Angel-Marathon habe ich nach anderen Sachen mit James Masters gesucht und bin dabei auf eine sehr spezielle Torchwood-Szene gestoßen. Danach wollte unbedingt wissen, was die Geschichte dazu ist. Torchwood ist ein Doctor-Who-Spin-Off (man beachte das Anagramm) und somit habe ich den Gaul von hinten aufgezäumt. Ändert aber nichts daran, dass ich die Serie liebe und mich nun sogar an die allererste Staffel von 1963 gewagt habe. Und wer weiß, vielleicht komme ich am Samstag sogar mit den passenden Accessoirs?

Allons-y!

Souvenir.

 

Fünf Tage haben wir als Gruppe auf einem Haufen gehockt und am Ende kam ein wunderbarer Film dabei heraus. Auch wenn ich mit einigen dieser Leute heute kein Wort mehr wechsel, damals war es ein unfassbar tolles Erlebnis. Und ich glaub, mein bislang bester Videoschnitt. Da bin ich doch schon echt ein bisschen stolz drauf.

Sucht in Serie.

Ich bin sowas von dankbar für Halloween! Wieso? Weil der Großteil der aktuellen Serien für eine Woche pausiert. Ich komme nämlich schon gar nicht mehr hinterher. Das ist eine Sache, die ich aus meiner Studentenzeit vermisse: Wach werden, eine Folge von irgendwas gucken, Frühstück holen, eine Folge irgendwas anderes gucken (meistens Bones, ich bin schließlich beim Essen) und so weiter und so fort.

Wenn ich überlege, was ich alleine in den vier Jahren in Bielefeld an Serien inhaliert habe, dann weiß ich auch, wo meine Zeit geblieben ist. Dexter, Chuck, Doctor Who, Pushing Daisies, NCIS, Breaking Bad, TBBT, Castle, House, Friends, Simpsons, Monk, Buffy, White Collar, Angel, Torchwood, True Blood, Sherlock… Ich glaub, das ist ungefähr ein Sechstel. Und (Oh Graus!) so etwas wie Numb3rs oder Criminal Minds gucke ich ziemlich altertümlich gerne auch mal abends im Fernsehen auf Deutsch.

Bei schon fertig ausgestrahlten Serien werde ich dann tatsächlich regelrecht süchtig. Ich glaube, Buffy hatte ich komplett innerhalb der Semesterferien in nur einer Woche durch. Ist übrigens nicht gut für die inhaltliche Gestaltung von (Tag-)Träumen. Das nur mal so als Randnotiz. Ich bin auch alles andere als ein Genre-Nazi. Wie man auch anhand meiner Aufzählung wohl ganz gut erkennt. Die Figuren müssen einfach spannend genug sein, damit ich sie jede Woche wiedersehen möchte.

Wahrscheinlich findet man auch deshalb eher Bücherserien in meinem Regal, als einzelne Werke. Ich mag Figuren nicht so schnell gehen lassen. Zum Glück gibt’s für Menschen wie mich Autoren wie Anne Rice oder Markus Heitz (Ja, ich mag Monster). Und vielleicht gucke ich auch deshalb lieber Serien als Filme.

Eine Lieblingsserie ist ein wenig wie nach Hause kommen: Man kennt die Figuren, die Orte. Man will wissen, was es neues gibt. Ein Film ist hingegen wie ein kleines Abenteuer: Neue Gesichter, neue Erfahrungen und am Ende freut man sich müde und glücklich auf sein Zuhause.