Tschüss, Sommer! Auf bald.

In die Kneipe gehen, um Freunde sehen zu können oder Freunde sehen, um in die Kneipe gehen zu können? Wenn die Grenzen verschwimmen, wird Herbst.

Das Schöne am Herbst: Man kann Eintöpfe kochen, ohne dafür kritisch gemustert zu werden. Und ich als Kind des Sauerlands finde Spaziergänge über zugelaubte Waldwege eigentlich sogar sehr schön. Auch wenn ich letztes Jahr dabei beinahe von einem herabfallenden Ast erschlagen worden wäre. Aber mir fällt ja auch mitten auf der Downing Street eine Kastanie auf den Kopf. Sollte irgendwann einmal der Himmel runterkommen, fängt er garantiert zuallererst über mir an zu bröckeln.

Aber der Herbst ist auch son bisschen der Sonntag unter den Jahrezeiten. Gedanklich hängt man noch an Frühling und Sommer und man weiß genau, dass der Winter schon auf der Matte steht und den Finger auf der Klingel hat. Der garstige Montagbisfreitag des Jahres.

Zum Glück stehen jetzt schon ein paar Konzerte vor Beginn der Weihnachtszeit auf dem Plan. Vielleicht noch ein paar Tage Urlaub. Sonst bräuchte ich wahrscheinlich schon bald wieder eine Arschtrittmaschine, um nach Feierabend in die Gänge zu kommen.

Der Herbst

Im Herbst bei kaltem Wetter
fallen vom Baum die Blätter –
Donnerwetter.

Im Frühjahr dann
Sind sie wieder dran
Sieh mal an.

(Heinz Erhardt)

Dumme Fragen.

Wie sagt man so schön: „Es gibt keine dummen Fragen, nur dumme Antworten.“ Was für ein Blödsinn. Natürlich gibt es saudämliche Fragen. „Ist Butter pflanzliches Fett?“ Klar, dafür werden Butterblumen von Hand bei Vollmond gemolken. Oder Menschen, die beim Filmgucken ständig nerven müssen: „Wer ist das? Was macht der da? Was kommt jetzt?“ Momentchen, ich les die Antworten schnell im Kaffeesatz nach.

Meine allerliebste Frage ist aber schon seit ein paar Monaten das allgegenwärtige „Warum hast du eigentlich keinen Freund?“. Interessanterweise fragen das genauso oft Männer, wie Frauen. Ist das Small Talk? Falls ja, wieso hat mir niemand Bescheid gesagt, dass man sowas heutzutage schon direkt nach den üblichen Kennenlernfloskeln fragen darf? Oder ist das verstecktes Interesse? Falls ja, wieso fragt man nicht stattdessen, wie es um ein gemeinsames Kaffeetrinken zu zweit gestellt wäre? Oder wird man jetzt schon so genau abgecheckt? Falls ja, wo bleibt denn da der Reiz des Kennenlernens, wenn man direkt Listen mit den Vor- und Nachteilen der Person zugesteckt bekommt? Und wieso fragen Frauen das auch? Aus Angst vor einer Männerdiebin? Oder sind die auf der Suche nach einer total genialen Antwort, die sie zukünftig selber benutzen können?

Sicherlich ist das irgendwie schon ein Kompliment. Aber das kann man doch auch eleganter lösen. Ich wüsste auch gar nicht, was eine gute Antwort auf diese Frage wäre. Ein simples Schulterzucken kommt komisch an. Eine zusammengestotterte Erklärung kann eigentlich nur überheblich klingen. Außer man möchte sich selbst direkt am Anfang schon bloßstellen und seine Schwächen offenbaren. Vielleicht reagiere ich demnächst auch einfach mit „Ich habe ehrlich auf die Frage geantwortet, warum ich eigentlich keinen Freund habe“.

In der Champions League.

Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert. Am Freitag unterbreitete man mir auf dem BiBloStati, dem Bielefelder Blogger-Stammtisch, ich hätte mich mittlerweile für das Champions-League-Finale der biertrinkenden Siggisitzer qualifiziert. Der Siggi, eigentlich Siegfriedplatz, ist tatsächlich seit dem letzten Sommer so etwas wie ein zweites Wohnzimmer geworden. Einzugsdatum 27. Juli 2013. Das ist noch gar nicht so lange her und seitdem gehört da natürlich auch das ein oder andere Siggibier mit dazu.

Die „Auszeichnung“ kam von jemandem, der mich überwiegend vom Stammtisch und durch meine Tweets kennt. Und da könnte man tatsächlich den Eindruck bekommen, dass Biertrinken mein größtes Hobby wäre. Ich war auch noch nie zuvor so regelmäßig in Kneipen, dass man dort schon beim Reinkommen meine Bestellung weiß. Oder mich plötzlich an anderen Orten wiedererkennt und grüßt. Dabei habe ich noch vor einem Jahr eine Zeit gehabt, in der ich sehr selten ausgegangen bin und dann auch nie auf mehr als allerhöchstens drei oder vier Bier. Davor teilte ich mir noch Sixpacks und davor gab es hauptsächlich Mischbier. Also ganz, ganz, ganz früher.

Mittlerweile komme ich damit nicht mehr aus. Ich mag Bier und wenn man etwas mag, muss man ja nicht gleich nach der zweiten Flasche aufhören. Aber ich betrinke mich nicht. Ich bin von Natur aus ein beinahe übertrieben kontrollierter Mensch und ich mag es überhaupt gar nicht, wenn mir auffällt, dass ich mich beim Sprechen konzentrieren muss. Das ist dann für mich der Moment, um die Reißleine zu ziehen.

Oh Gott, nun packt sie die Moralpredigt raus… Nein, keine Sorge, kein Weibsvolk bei der Steinigung. Das soll jeder so handhaben, wie er es für richtig hält, denn das mache ich schließlich auch nicht anders. Ein Feierabendbier alleine auf dem Sofa ist sicherlich nicht die ideale Form der Stressbewältigung. Und mit dicken Socken passt mir der Schuh des Wochenendalkoholikers irgendwie auch. Nur dass ich meistens bereits deutlich früher ins Bett falle, als das bei dem bloggenden Mitstreiter der Fall ist. Aber mal unter uns Gebetsschwestern: Ruhige Kneipenabende oder in geselliger Runde auf dem Siggi zu versacken… das macht halt auch einfach Spaß. Ergänzung: Und ein bisschen stolz bin ich auf den Status als Titelanwärter auch. Er ist auch echt hart erkämpft.

Ce sont les meilleurs. Sie sind die Besten. These are the champions.
Die Meister. Die Besten. Les grandes équipes. The champions.

Ich will doch nur nach Hause.

Ich werde generell selten von Männern angesprochen, wenn ich unterwegs bin. Das könnte möglicherweise daran liegen, dass ich meistens mit Männern unterwegs bin. Wobei ein flirtwilliger Mann viel mehr Angst vor einem Rudel Frauen haben sollte. Denn wenn bei denen jemand durch’s Raster fällt… eieiei. Junge, geh in Deckung. Dabei beiße ich gar nicht. Ich bin da mehr der Igel-Typ. Entweder fluchtartig unter einem Blätterhaufen verschwinden oder, wenn gerade mal kein Blätterhaufen in der Nähe ist, einrollen und ausharren bis die Gefahr vorbei ist.

Aber so alle 2 bis 3 Monate schaffe ich es tatsächlich, dass mich nachts auf dem Nachhauseweg noch jemand anquatscht. Da kommen tatsächlich Menschen um 5 Uhr nachts aus der Disko und haben nichts besseres zu tun, als mich zu fragen, ob ich noch mitkomme. Ehrlich jetzt? Wer die ganze Nacht in Lokalitäten wie dem Café Europa oder dem Stadtpalais ausgehalten und es dennoch nicht geschafft hat, dass irgend so ein Püppchen mit nach Hause kommt, der soll gefälligst auch akzeptieren, dass er in dieser Nacht eben die Taschentücher mit ans Bett nehmen muss.

Erschreckend ist auch die Vorstellung, dass ich tatsächlich ins Beuteschema eines solchen Vogels passen könnte. 20-jähriger Düsseldorfer Möchtegern-Checker und Clubgänger ist von meinem jedenfalls mindestens genauso weit weg wie ein Olaf Schubert. Mindestens. In so einem Moment hoffe ich dann wirklich, nur eine Notlösung zu sein. Alles andere ließe mein Selbstbild fluchtartig in den nächsten Blätterhaufen abtauchen.