Anna in Wonderland

Die Eine aus 96 sein.

Jul
27

Ich war wohl zu erfolgsverwöhnt. Sowohl beim ersten Vorstellungsgespräch nach dem Studium als auch bei meinem Jobwechsel letztes Jahr, hat es direkt mit der neuen Stelle geklappt. In meiner Naivität habe ich gedacht, dass das so bleiben wird. Die Lage auf dem Bielefelder Arbeitsmarkt schien total entspannt. Alle Welt wartete nur auf mich! Wer will denn auch schon als Marketing Manager arbeiten? Ein ewig voller Schreibtisch, drängelnde Kollegen, trödelnde Agenturen und dann ist da auch noch dieser regelmäßige Zwang sich zu verkleiden, wenn man sich mal wieder bei Presse, Kunden oder Königen im guten Zwirn vorstellen darf. Wieso tut man sich das an?

In diesem Jahr wurde ich eines Besseren belehrt. Plötzlich scheint wirklich jeder etwas mit Kommunikation machen zu wollen. Will Marketinglügen verbreiten und sich die Abende mit Pressemitteilungen um die Ohren hauen. Seit Weihnachten habe ich mittlerweile dreißig Bewerbungen verschickt, Tendenz steigend. Denn auch wenn ich aktuell in Lohn und Brot stehe, ist das nur eine Übergangslösung, deren Ende schon nervös im Raum steht. Wie so eine Jack-Wolfskin-Familie zwanzig Minuten vor dem Boarding.

„Schön, dass Sie sich die Zeit nehmen konnten. Dieses Gespräch wird eher eine Art Speeddating sein, da wir aus 60 Bewerbungen zunächst für den ersten Durchlauf zwölf Kandidaten ausgewählt haben. Wir fragen, Sie antworten. Und lassen Sie Ihre Jacke am besten einfach an, es lohnt nicht.“ Schluck. Wir sprechen hier nicht von einer Stelle in einem Großkonzern mit Firmenwagen, 6-stelligem Jahreseinkommen und globaler Relevanz. Es ging um Öffentlichkeitsarbeit mitten im Bielefelder Outback. Fledermausland. Da war nicht mal Edge!

Uni, FH, FHM, FHDW, HS OWL… (THC in OCB is‘ was ich dreh’…) sie alle lassen kleine Marketingmenschen auf die Region los. Und dann sitze ich großer Marketingmensch da und gucke doof. Ich hatte heute beruflich zufällig mit einer der Vorgesetzten zu tun, die mich ablehnen mussten. Festhalten: 96. 96 Bewerbungen sind bei ihr auf eine einfache Stelle als Marketingassistenz eingegangen. Ich gehörte zu der handvoll Menschen, die dort sogar persönlich vorsprechen durften. Das macht dann tatsächlich schon ein bisschen stolz. Ihr wollt mich zwar nicht behalten, aber hey!, wenigstens durfte ich Kaffee bei euch trinken. Bei meinem jetzigen Arbeitgeber soll es nicht anders ausgesehen haben und angeblich hat man die Entscheidung bislang noch nicht bereut. Juhu, ich bin gut!

Apropos gut. Falls jemand jemanden kennt, der jemanden kennt, der über seinen Schwippschwager davon gehört hat, dass im Großraum Bielefeld ein Marketing Manager gesucht wird (Online oder offline, B2B oder B2C, strategisch oder operativ, Unternehmen oder Agentur): Ich bin quasi eine eierlegende Wollmilchsau. Und ich kann Kaffee kochen und halbwegs lesbare Texte verfassen. Finde ich.

Das Glückstagebuch.

Mai
06

Ich möcht‘ ein Glücksbärchi sein, das wäre wunderbar! Ein Glücksbärchi sein, das ist doch sonnenklar! Und nun seid ihr wahrscheinlich froh, dass ich keinen Podcast mache und euch nichts vorsingen kann. Bin ich auch. Aber das war mein erster Gedanke, als mir meine Therapeutin auferlegte, als Hausaufgabe ein Glückstagebuch zu führen. Ja, auch bei mir ging bei dem Begriff erst einmal die Augenbraue in die Höhe. Ein Glückstagebuch. Was sollte da als Nächstes kommen? Ein Mandala? Oder gar eine Traumreise? Bitte, BITTE nicht.

Beides kam zum Glück nicht. Noch nicht. Ähm. Jedenfalls wurde mir in diesem Moment wieder bewusst, dass ich da einem Mädel gegenüber sitze, das frisch aus der Uni kommt. Was ja auch mein Wunsch war. Ich wollte keine Therapeutin mit Traumfängern und Zimmerspringbrunnen aus Salzkristall, der ich die für mich wichtigen Dinge – wie Festivals, Twitter oder meinen Job im Online Marketing – erst einmal lang und breit erklären muss. So etwas ist echt viel wert. Aber man wird natürlich auch mit Therapieformen konfrontiert, die gerade in der aktuellen Fit for Psychotherapie als heißer, geiler Scheiß vorgestellt wurden. Augen zu und durch.

In mein Glückstagebuch sollte ich nun mindestens einmal am Tag aufschreiben, was mir an diesem Tag Freude bereitet hat. Egal was. Ob ich mich beim Fernsehen darüber beömmelte, dass das kleine Elefantenmädchen kopfüber in den Schlamm purzelte oder ob mir das Finanzamt Geld schenkte. Alles Schöne soll notiert werden. Das klingt jetzt erst einmal machbar. Wenn da nicht dieses verflixte Jahr 2016 wäre.

2016 ist das Jahr, in dem der (Ex-)Chef zum arroganten Arschloch mutiert, das die Gehälter nicht zahlt. In dem der Bruder mit Verbrennungen ins Krankenhaus geflogen wird und noch in derselben Woche der Hund der Eltern eingeschläfert wird. 2016 ist bisher eher so der Trump unter den Jahren. Und wenn keine Katastrophe passiert, plätschert es so vor sich hin. Dann nimmt man abends sein Glückstagebuch in die Hand und merkt, dass man eigentlich gar nichts gemacht hat, was irgendwie schön war. Es lief irgendetwas im Fernsehen, aber keine Ahnung, was genau. Es gab etwas zu essen, weil man halt essen muss. Alles nicht schlimm, aber mehr so der Butterkeks unter den Tagen.

Aber das ist wohl ok. Im Glückstagebuch darf auch mal stehen „Der Tag war nicht schlecht“. Wurde mir gesagt. In Ostwestfalen ist das schließlich schon ein Lob. Ich weiß ja auch, dass andere Tage das wieder ausgleichen können. Und wenn man dann den ersten Nachmittag auf dem Siggi verbracht hat, mit Sonne, Bier und Menschen, die einem guttun, hat man plötzlich wieder reichlich Stoff für den Tagesbericht. Hoffentlich muss ich nicht als Nächstes ein Haushaltsbuch führen, dann komme ich nämlich echt in die Bredouille.

Der Schulspind der Pandora

Dez
08

Ich habe irgendwann im Winter 2004 den Schlüssel zu meinem Schulspind verloren. Das war knapp eineinhalb Jahre vor dem Abitur. An meiner Schule war (und ist es wahrscheinlich immer noch) es so geregelt, dass man spätestens vier Wochen nach der letzten Prüfung den Spind gekündigt und den Schlüssel übergeben haben musste. Ich sitze das bis heute aus.

Ich habe keine Ahnung, was sich im Winter 2004 in diesem Spind befand. Mein einziges Paar Sportschule hätte ich sicherlich vermisst. Das Spanischbuch eher nicht so. Vielleicht noch ein Paar besonders hässliche Handschuhe und ein angebissenes Käsebrot. Was im Nachhinein etwas schade um das Käsebrot ist. Vielleicht fahre ich im nächsten Jahr doch einmal bei meiner alten Schule vorbei, um mir meine Abiklauseren anzusehen. Natürlich wird das nur eine faule Ausrede sein, um nach diesem Spind zu schauen. Zweiter Block vor dem Schulkiosk, dritte Reihe von links, zweite Reihe von oben. Meine ganz persönliche Zeitkapsel. Schon seltsam, was man nach all den Jahren noch weiß.

Sollbruchstelle oder soll sie nicht.

Nov
16

Ich bin – zugegeben – nicht gerade die geschickteste Person auf diesem Planeten. Meine Art der Essenszubereitung würde eine Frauenzeitschrift wahrscheinlich mit „Bück dich, du Sau – Spielend 50 Kniebeugen in den Alltag integrieren“ betiteln. Weil bei mir in der Wohnung Katzenhaltung leider verboten ist, muss ich die Sachen halt selber vom Schrank schubsen. Doch wer nun glaubt, die Schwerkraft wäre mein größter Feind, der irrt. Mein größter Feind sind Sollbruchstellen.

Sollbruchstellen sollen uns dabei helfen, zusammenhängende Teile ohne Zuhilfenahme von Messer, Schere oder Kettensäge an einer zuvor festgelegten Stelle voneinander zu trennen oder diesen Gegenstand leichter zu öffnen. Dafür haben diese Dinge entweder eine Perforation oder eine Einkerbung. Klingt im ersten Moment total praktisch. Und nun denken wir mal alle an unseren letzte Kampf mit einer Konservendose mit Aufmachnupsi. Da müsste die Sollbruchstelle eigentlich an dem Punkt sein, wo sich das vordere Ende des Nupsis in den Deckel drückt. In Wahrheit gibt es aber in jeder Konservendosenfabrik offensichtlich eine Maschine, die Chargen mit der Sollbruchstelle direkt an der Nupsi-Aufhängung produziert. Ehe man sich versieht, hat man diesen dann plötzlich in der Hand und sucht fluchtend nach dem Dosenöffner.

Ein anderes Beispiel ist Schokolade. Eine durchschnittliche Tafel Milka-Schokolade besteht aus 24 angedeuteten Stücken, bei Ritter-Sport sind es 16. Das ist ganz gut, wenn man die Tafel unter mehreren Personen (Kindern) gerecht aufteilen möchte oder wenn man wie ich total auf Symmetrie steht. Anders als bei Obst, M&Ms oder Chips muss man hier nicht nach Schönheit, Größe und Farbe sortieren, sondern kann einfach drauf losessen (ok, die Randstücke immer zuletzt, aber das versteht sich hoffentlich von selbst). So die Idee. In der Realität bricht die Schokolade aber sowieso da, wo sie möchte. Oder habt ihr schon einmal Toblerone gegessen, ohne euch dabei zwei bis fünf Finger zu brechen? Dennoch, nur Tiere und Sigmar Gabriel essen Schokolade so, wie die Frauen in der Werbung:

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Sollbruchstellen sind allgegenwärtig. Auf Briefbögen mit Fahrkartenabos. Zwischen Fruchtzwergebechern. Und vergessen wir bloß nicht den Aufreißnippel an manchen Milchtüten. Hat schon einmal irgendjemand von euch an diesem Plastikring gezogen, ihn nicht direkt abgerissen UND ist dabei fleckenfrei geblieben? Dann Glückwunsch: Du gehörst zu 0,01% der Bevölkerung und bist wahrscheinlich hochbegabt. Es mag eine Nischenbegabung sein, aber sehr viele Menschen werden dich darum beneiden.

Erst heute Nacht versuchte ich minutenlang, eine Ibuprofen 400 in der Mitte zu teilen. Das hat mich so sehr aufgeregt, dass im am Ende doch beide Hälfte genommen habe. Wahrscheinlich ist das auch das Ziel der Industrie: Eine Teilbarkeit zu simulieren. Nicht grundlos hat man bei der Schokolade gleich vier Stücke in der Hand, wenn man sich eigentlich nur eins abbrechen wollte. Sind wir mal ehrlich: Die restlichen drei Stücke kann man dann ja auch schlecht wieder zurücklegen, das wäre denen gegenüber nicht fair.

Erst mal hupen.

Mrz
28

Nein, sorry Jungs, es geht nicht um Brüste. Vielleicht ein anderes Mal.

Es geht um die Einrichtung für Schallzeichen, die man an Kraftfahrzeugen über 50ccm findet. Die dafür da ist, in Gefahrensituationen auf sich aufmerksam zu machen. Beispielsweise wenn vor einem plötzlich jemand auf die Idee kommt, seine Picknickdecke mitten auf der Fahrbahn auszubreiten und man mit seinem Auto / Motorrad / LKW / Panzer angerollt kommt. Dann darf man hupen. Und bis zur Erfindung von WhatsApp natürlich auch um seinen Freunden mitzuteilen: „Ey Mädel, ich stehe jetzt vor deinem Haus, mach hinne, ich will los.“

Nun, in Bielefeld scheint es anders gelehrt zu werden. Ich wohne nicht zum ersten Mal an einer dicht befahrenen Kreuzung, aber ich habe außerhalb Italiens noch nie so ein hupfreudiges Volk wie den Ostwestfalen erlebt. (Just in diesem Moment fährt übrigens eine Hochzeitsgesellschaft vorbei. Möp möp möp mööööp.) Die Beweggründe fürs Hupen sind offenbar vielzählig. Vor mir lässt jemand vor dem Abbiegen einen Fußgänger durch? Erst mal hupen. Die Ampel ist bereits seit 2 Sekunden grün und mein Vordermann noch nicht drüber? Erst mal hupen. Da möchte jemand auf den Schienen wenden und dabei nicht von der Straßenbahn überrollt werden? Erst mal hupen. Die Sonne blendet mich? Erst mal hupen.

Zu absolut jeder Tages- und Nachtzeit. Dienstagabend, halb 12, es sind ungefähr drei Autos in ganz Bielefeld-Mitte unterwegs. Und dennoch findet immer irgendeine Nulpe einen Grund, sein Signalhorn ertönen zu lassen. Vielleicht hat ihm ein umherfliegendes Blatt die Vorfahrt genommen. Vielleicht hat auch ein Satellit über ihm geblinkt, ohne danach abzubiegen. Man weiß es nicht. Ich hoffe dann immer für den Fahrer, dass es ein wirklich guter Grund war. Denn „Huch, ein Wohngebiet mitten in der Nacht? Erst mal hupen.“ ist arschig.

Der frühe Vogel ist ein aufgescheuchtes Huhn.

Okt
16

In drei Wochen ist Messe. Für mich bedeutet das, dass ich gerade einen Berg Großprojekte auf dem Schreibtisch habe. Messezeitung, Ausstellerkatalog, Pressemeldung- und gespräch, Besuchereinladungen, Newsletter für Aussteller und Besucher, Buchungsunterlagen, Contentpflege, Orgakrams… ich zähle jetzt nicht alle 40 To-Dos auf. Ich könnte es zwischendurchl noch mal mit spontaner Zellteilung versuchen und mein zweites Ich wäre dennoch ebenfalls voll ausgelastet. Hilft ja alles nichts. Einen Schritt vor den anderen machen, eine Deadline nach der anderen abarbeiten.

Blöd wird’s dann, wenn zwei Welten aufeinander treffen. Ich bin mehr so der stete Typ. Zeig mir eine Arbeit, die schneller und dabei aber noch ordentlich erledigt wird, wenn man vorher, währenddessen und am besten auch noch hinterher völlig am Rad dreht. Unruhe kenne ich eigentlich nur, wenn der Gegenüber trödelt. Oder der Nebenmann beim Bäcker. Darüber bloggte ich ja bereits ausführlichst. Aber das ist einfach nur Ungeduld und nicht der Versuch, durch Hektik etwas schneller zu erreichen.

Im Büro werden sie hingegen gerne mal hektisch. Da wird während eines Außentermins mehrmals hinter einem hertelefoniert, weil zig Leute angerufen hätten, dass die Website kaputt wäre. Zig Leute waren an dem Tag genau 2. Und auf der „kaputten Website“ stand ganz einfach eine Adressdatei absichtlich nicht mehr zur Verfügung, weil die zwei Anrufer Anzeigenverkäufer waren und bei ihrer Adress-Ernte ausgebremst werden sollten. War aber alles ganz wichtig und eilig und die Zukunft der ganzen Firma hing von meiner Erreichbarkeit ab.

Nun sitzen wir hier, arbeiten im Akkord Großprojekte ab und warten nur darauf, dass das nächste aufgescheuchte Huhn zur Tür hereinkommt. Der letzte Aufreger war, dass wir uns noch nicht überlegt haben, wer in drei Wochen 200 Servietten vom Lager auf die Messe bringt. Aus eben diesem Lager wird ab übernächster Woche mehrmals täglich Material für über 15.000qm Ausstellungsfläche in die Hallen gekarrt. Ich bin mir wahrlich nicht hunderprozentig sicher, ob da zehn Packungen Servietten zusätzlich auf einen der LKWs passen werden. Könnte eng werden. Drückt mir die Daumen.

garfield breakdown

Geduldig sind die geistig Armen.

Feb
28

Mit Geduld hab ich’s nicht so. Dumme Menschen, trödelnde Menschen, Menschen in Fußgängerzonen, Menschen auf Rolltreppen und Menschen an Supermarktkassen haben eines gemeinsam: Sie lassen sich durch Menschen beim Bäcker noch toppen. Wahrscheinlich denkt nicht mal eine Amöbe langsamer als ein Rentner, der sich gerade zwei Kuchenstücke aussucht. Außer vielleicht so ein Halbgarer nachts um 3 bei McDonalds. Wo sonst lässt man sich jede einzelne Sorte einmal kurz ins Licht halten, bevor man sich für eines der Körnerbrötchen entscheidet? In 95% der Fälle übrigens für das gemeine Mehrkornbrötchen. Egal wie lange da vorher draufgeguckt wurde.

Auf dem Weg zwischen Stadtbahn und Büro hat nun vor nicht allzu langer Zeit endlich ein Bäcker seine Pforten für mich geöffnet. Für mich und für achtundneunzigtausend Schüler, Rentner und Hausfrauen mit Kinderwagen. So eine richtig stylische Butze mit Drive-thru und Mini-Pizzen und Grünkohl mit Pinkel auf Butterbrot. Heute Morgen hatte nun gefühlt der komplette Bielefelder Osten frei, um sich mal eines der famosen Techno-Frühstücke (die Dinger heißen wirklich so) schmecken zu lassen. Muss man wenigstens nicht mehr bis zu IKEA gurken und dort die Mitmenschen mit seiner Anwesenheit belästigen.

Dann steht man da als hochmotivierter Arbeitnehmer, möchte nur fix ein kleines Schokobrötchen für auf die Arbeit einsacken und dann steht man da. Zwei Bäckereifachverkäufer bedienen die Frühstücker, die Angestellte mit dem größten Wortschatz hat das Headset für den Drive-thru auf und vier Leute diskutieren, von welcher Seite man nun die offenfrischen Sunnys am besten zum Belegen aufschneidet. Ich plädierte für einen vertikalen Schnitt.

So durfte die junge Frau vor mir dann aus zahlreichen Töpfchen mit verschiedenen Marmeladen, Honig, Rübenkraut und sonstigen Aufstrichen ganze drei auswählen. Um das zu können, muss man natürlich wissen, was man mag. Und wer weiß das schon. Außerdem war kein Nutella dabei, was die Sache für den Durchschnittsdeutschen deutlich beschleunigt hätte. Kaum war diese schwere Hürde genommen (es gab, und nun haltet euch gut fest: Quark, Honig und Erdbeermarmelade) durfte sie für das Frühstück ihres Freundes auch noch auswählen. Und der bekam sogar ganze fünf Sorten. Der Freund hatte wahrscheinlich keinen Bock auf den Stress und auf sie und überhaupt und saß irgendwo zeitunglesend in der Sonne. Offenbar das Hirn in der Beziehung.

Plötzlich erhellte sich mein Blick, als sich eine zweite Bäckereifachverkäuferin auf mich zubewegte. Aber nur so lange, bis mein Blick auf den sehr sehr großen Teller in ihrer Hand fiel. Und auf Klaus. Er muss Klaus geheißen haben. Oder Jens. 138 Kilo, 1,72 m, Jeansjacke, Karohemd, kein Haupthaar. Klaus-Jens schob mich elegant beiseite und seine Augen leuchteten wahrscheinlich zum ersten Mal seit 24 Jahren auf, als die Frau hinter dem Tresen zu ihm sagte: „Sie dürfen sich sieben Sachen aussuchen.“

Dann bin ich gegangen.

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