Goldenes Handwerk.

Selbst ist die Frau. Das Motto musste auch mein Vater damals im Hinterkopf gehabt haben, wenn er mich irgendwo mit einbeziehen wollte. Ob im Haus oder im Garten, ich kriegte ein Werkzeug in die Hand gedrückt und dann hieß es „Jetzt mach mal.“ Ok, ich war vielleicht auch nicht gerade das mädchenhafteste Mädchen.

Aber dank ihm kann ich heute meine Lampen alleine aufhängen. Ich bin beim letzten Umzug auch nur einmal nach einem kleinen Stromschlag fast von der Leiter gefallen. Wer konnte auch ahnen, dass die Deckenlampe im Arbeitszimmer am Stromkreis vom Dachboden hängt? Ich kann Nägel in die Wand hauen und Regale anbringen. Und Löcher zuspachteln. Was natürlich in keinem direkten Zusammenhang mit den anderen beiden Sachen steht. Ich weiß, wie Kabel in der Wand verlaufen, falls niemand gepfuscht hat. Ich bringe Gardinenleisten selber an, kann Laminat verlegen und Heizkörper ohne Sauerei entlüften.  Wasch- und Spülmaschine sind von mir selbst angeschlossen. Das verratet bitte nicht meinem Vermieter.

Klingt nach Kleinigkeiten. Aber ich wäre durchgedreht, wenn ich nach meinem Umzug vor einem Jahr immer auf Hilfe hätte warten müssen. Komischerweise fährt mein Vater nicht mal eben 140km, um bei mir einen Spiegel aufzuhängen. Es sieht hinterher nicht immer perfekt aus, aber ich habe auch noch ein paar Jahrzehnte Zeit zum Üben.

Wahrscheinlich ist bei mir auch eine gehörige Portion Stolz daran schuld, dass ich sowas überhaupt können möchte. Um Hilfe fragen ist doof. Mein Bruder hingegen kann gerade mal eine Glühlampe wechseln. Ich hoffe zumindest, dass er das kann. Den hat so etwas nie interessiert. Ich sehe Handwerken als Herausforderung. Zu stolz um andere zu fragen, aber noch viel stolzer auf mich, wenn es geklappt hat. Und manchmal, aber nur manchmal, bitte ich doch mal um Hilfe. Das schwache Geschlecht darf das schließlich auch mal tun.