Wahlheimat.

Ich bin nicht freiwillig in Bielefeld gelandet. Nach meinem B.A. Sozialwissenschaften wollte ich unbedingt was mit Medien weiterstudieren. Blöd nur, dass mich niemand wollte. Außer eben Bielefeld. Erst mal googlen, wo diese Stadt überhaupt liegt. Diese Stadt mit der Uni, an der scheinbar jeder was mit Medien machen darf. Interdisziplinär schimpfte sich das. Der Freundeskreis reagierte nicht minder entsetzt. Natürlich war noch niemand von ihnen jemals in dieser Stadt, die es angeblich sowieso nicht gibt. Nach Marburg kam das geradezu einem Absturz gleich. Aus einer der schönste Kleinstädte Deutschland ab ins Niemandsland zwischen Hannover und Dortmund. Naja, sollte ja nur für zwei Jahre sein.

Morgen sind es viereinhalb Jahre. Ich bin nicht freiwillig hier gelandet, aber freiwillig hier geblieben. Weil Bielefeld irgendwie ziemlich toll ist. Weil Bielefeld überraschend grün ist. Weil Bielefeld den Alten Markt hat, auf dem man im Sommer wunderbar ein Weizen trinken kann. Weil Bielefeld eine kleine Großstadt ist, in der man ganz passabel einkaufen gehen kann. Weil Bielefeld in großes Dorf ist, in dem jeder jeden über zwei Ecken zu kennen scheint.

Der Bielefelder/Ostwestfale an sich mag als muffig, stur und eigenbrödlerisch gelten. Das stimmt auch manchmal. Aber das sind wir Sauerländer auch. „Du als typische Ostwestfälin…“ kam dann auch schon mal im Büro von ebenfalls zugezogenen Kollegen. Da kann ich mit leben. Und ob irgendwelche Städte-Rankings Bielefeld nun als „besonders lebenswert“ oder als Stadt mit „beträchtlichen Defiziten“ betiteln, ist mir ehrlich gesagt schnuppe. Ich fühle mich hier sogar schon so heimisch, dass ich mit Arminia Bielefeld mitfiebere. Was nicht immer schön ist, aber man muss ja auch mal was zu meckern haben. Integration geglückt.