My life is bitter, but it’s also sweet.

Diese Überschrift wird Ihnen präsentiert von MxPx mit Stay On Your Feet. Und was kann sweeter sein als feinster Live-Punkrock? Richtig: Nichts. Bier trinken, mitgröhlen, rumwippen und dem echten Leben für ein paar Stunden den Mittelfinger zeigen. Nachdem dieser ätzende, konzertarme Winter nun endlich vorbei war, ging es in den letzten Tagen plötzlich Schlag auf Schlag: Social Distortion, Against Me! und Millencolin. Drei Knallerbands in 2 1/2 Wochen. So zumindest die Erwartungen und die wurden mehr als erfüllt.

Social Distortion – 18. April, Bielefeld

Wenn Mike Ness und seine Truppe in die Stadt kommen, dann muss man da hingehen. Auch wenn einem der Ticketpreis Tränen in die Augen treibt. Denn was der alte Mann da auf der Bühne abzog, davon kann sich so mancher Mini-Punkrocker eine ordentliche Scheibe abschneiden.

Nächstes Mal drängel ich definitiv näher ran. So war es sehr gute Musik mit weniger gutem Bier, aber für das richtige Konzertfeeling muss ich doch weiter rein in den Pulk. Soviel vorweg: Das ist mir nur 6 Tage später auf jeden Fall gelungen. Und jeder einzelne Euro war an diesem Abend gut investiert, denn die Altmeister Social D muss man als Punkrock-Fan mindestens einmal gesehen haben.
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Against Me! – 24. April, Hannover

Was macht man, wenn der einzige freie Platz im komplett ausverkauften Faust mitten vor der Sängerin ist, ohne Absperrgitter und Bühnengraben? Ganz genau, man freut sich ’nen Ast ab und gibt alles. Bei Against Me! überhaupt kein Problem, da bleibt keiner lange mit beiden Beinen auf dem Boden. Ich habe es noch nie erlebt, dass neue Songs einer Band so dermaßen gefeiert wurden, aber das aktuelle Album „Transgender Dysphoria Blues“ scheint die Ausnahme von jeder denkbaren Regel zu sein.

Natürlich waren auch die wichtigen Klassiker dabei, wie „Don’t Lose Touch“, „Trash Unreal“ und mein vergleichweise junger Liebling „“I Was a Teenage Anarchist“. Natürlich sind es immer diese Abende, an denen man während der letzten Zugabe fluchtartig das Gebäude verlassen muss, weil die Bahn leider keine Rücksicht auf arme Konzertbesucher nimmt. Saftladen. Egal. Mein Fazit: Saugeil und ich freue mich wie Bolle auf eine Wiedersehen auf dem Serengeti.
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Millencolin – 04. Mai, Köln

Millencolin haben mich eigentlich gar nicht interessiert. Dieser ganze Skatepunk war nie so wirklich meine favorisierte Musikrichtung, mittlerweile nähern wir uns aber ganz vorsichtig immer mehr an. Jedenfalls musste ich sowieso für eine Nacht nach Köln, hatte keine Lust mit meinem Kollegen rumzuhängen und wenn so eine Band quasi direkt vor der Hotelzimmertür aufspielt: Warum nicht?

Um es kurz zu machen und mich selbst zu zitieren: Sie schafften es von „kann man mal mitnehmen“ zu „meine Fresse, sind die geil!“ in drei Songs. Das Publikum gab alles und zog 75 Minuten lang konsequent den Circle Pit durch. Ich habe es leider versäumt, den Gitarristen hinterher für zuhause einzupacken, aber dann mache ich das halt beim nächsten Mail. Und ich habe die Befürchtung, dass mich dieser Skatepunk mit 15 Jahren Verspätung doch noch kriegt.
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Gesamtfazit: Gebt mir mehr davon!

Live noch besser als wie auf Platte.

Ich greife hin und wieder gerne mal ein Stöckchen auf, das man mir vor die Füße wirft und dieses Mal heißt es: Bands, die ich unbedingt einmal live sehen muss. Ein paar davon sind zum Glück schon zum Greifen nahe und die Reihenfolge ist vollkommen willkürlich gewählt.

Na dann legen wir doch mal los:

Bands, für die ich schon Karten habe

Against Me! (2x)
The Offspring
Bad Religion

Bands, für die ich noch Karten brauche

Limp Bizkit
Farin Urlaub Racing Team

Bands, die mal (wieder) rumkommen müssten

The Rumjacks
Reel Big Fish
Streetlight Manifesto
Boysetsfire
Lagwagon
Seeed
3 Doors Down
Rise Against

Bestimmt habe ich irgendwen total wichtiges vergessen. Und sicherlich ich das nur eine Momentaufnahme. Außerdem bedauere ich es, dass ich einige Bands und auch Sänger niemals live sehen werde, außer Emmett Brown parkt plötzlich vor meinen Füßen. The Ramones. The Clash. Dead Kennedys. Sex Pistols. The Pogues. Johnny Cash. Und die Wohlstandskinder, bei denen ich es in jungen Jahren so lange hinausgezögert habe, bis es sie nicht mehr gab.

Ms. Horrible’s Sing-Along Blog

Manchmal denke ich mir, es wäre schon ganz cool, wenn der Alltag einen Soundtrack hätte. Nein, mein Leben soll keine Musicalepisode haben. Ich möchte um Himmels willen nicht, dass vor mir jemand auf den Bürgersteig springt und mir „They got the mustard out!“ ins Gesicht schmettert. Außer die Nummer würde von Zach Braff performt, dann könnten wir da noch einmal drüber reden. Aber wenn über den Tag verteilt immer wieder Musik einsetzen würde, die Spannung aufbaut, vor einer gefährlichen Situation* warnt (*mir) oder alle im richtigen Moment zu Tränen rührt, fände ich das recht amüsant.

 

Nach dem vierten Snoozen

The first song of the day should give you a real good start
This song should remind all lovers to kiss before they part
Instead it’s often torture, it’s often pain
Sometimes those songs are liable to drive your mind insane

Bela B. – Lee Hazlewood & Das Erste Lied Des Tages

Radio am Morgen ist auch so ein totales Unding. Man mag es kaum glauben, aber euer Berufssonnenschein ist ein Morgenmuffel. Wer mich vor der zweiten Tasse Kaffee anspricht, riskiert seinen Kopf. Das gilt auch für Radiomoderatoren. Was meinen eigenen Kopf leider nicht davon abhält, regelmäßig mit den übelsten Ohrwürmern an den Start zu gehen. Ach, welch‘ Ironie.

 

In der Stadtbahn

It’ll take you as high as the Heavens
It’ll take you to the depths of Hell
It’ll make you friends, it’ll take your friends
Who will never live to tell

Social Distortion – Drug Train

Es gibt eine eisenere Regel in Bielefeld: Die komischen Vögel fahren immer Bahn. Gerade auf dem Weg zur Arbeit, wo man sowieso immer die selben Leute sieht und deren Eigenheiten genauestens unter die Lupe nehmen kann. Ein schier endloser Trip. Naja, wahrscheinlich finden die mich nicht weniger skurril.

 

Was mache ich eigentlich hier?

Everybody wants to be an astronaut
And take the long tall trail into the stars
Everybody wants to show a brother what they got
Everybody wants to be an astronaut

Royal Republic – Everybody Wants To Be An Astronaut

Die späte Erkenntnis nach dem ersten Blick in den Posteingang: Hätte ich doch bloß etwas gescheites gelernt. Astronaut. Cowgirl. Verrückter Professor. Hauptsache irgendetwas ohne Kunden.

 

Der Lichtblick

The waiting seems eternity
The day will dawn of sanity
Is this a kind of magic?
It’s a kind of magic

Queen – A Kind Of Magic

Hat da etwa gerade etwas geklappt? Kam da wirklich ein Lob? Dann ist jetzt der richtige Moment, um eine Runde um die Schreibtischinsel zu tanzen, die Kaffeetasse durch die Luft zu wirbeln und sich selbst zu feiern. Ällabätsch, ich bin klug und ihr seid’s nicht.

 

Zu früh gefreut

Do you remember
when you were young and you wanted to set the world* on fire?

*this place
Against Me! – I Was A Teenage Anarchist

Wie uns die Emma kürzlich lehrte, werden Amokläufe fast ausschließlich von Männern begangen. Ich kann persönlich nicht bestätigen, dass Frauen seltener den Drang verspüren, einfach einmal alles anzuzünden. Denn aktuell hilft mir nur die gelegentliche Lektüre eines Dilbert-Comics , damit ich mir überhaupt noch irgendwie einreden kann, dass das alles so vollkommen normal ist.

 

Gute Nacht

Must it take a life for hateful eyes
To glisten once again
‚Cause we find ourselves in the same old mess
Singin‘ drunken lullabies

Flogging Molly – Drunken Lullabies

Wer sich regelmäßig abends mit den Worten „Wie immer.“ verabreden kann, der kann auch von „the same old mess“ sprechen. Könnte schlimmer sein.

Once more, with feeling.

Kennt ihr diesen Moment, wenn man unterwegs ist,

total gestresst,

mit leerem Kopf,

noch nicht richtig wach,

dabei auf gut Glück irgendwelche Musik einschaltet und dann fischt der Player aus hunderten Song genau diesen einen heraus, der perfekt in den Augenblick passt? Ein vergessener Track, der vielleicht dennoch schon seit Tagen heimlich im Kopf herumgeisterte. Weil er einfach alles zusammenfasst, was einen gerade beschäftigt. Der einen scheinbar grundlos lächeln lässt, einem die Tränen in die Augen treibt, bei dem man fast stehen bleiben möchte und durch den man alles um sich herum von einer Sekunde auf die andere komplett ausblendet. Manchmal sogar Bäume und Laternen.