Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?

Gerade stolperte ich über eine aktuelle Schlagzeile in der Bielefelder Lokalpresse: „Bewaffneter Raubüberfall auf dem Alten Markt“. So etwas sollte einen in einer Stadt mit über 300.000 Einwohnern eigentlich nicht übermäßig schockieren, auch wenn Bielefeld zu den sichersten Städten Deutschland zählt. Dennoch macht sich da plötzlich ein leichtes Unbehagen breit, auch weil ich zum genannten Zeitpunkt in unmittelbarer Nähe unterwegs war.

Der Alte Markt gehört zu den hellsten und belebtesten Station auf meinem üblichen Nachhauseweg. Der führt durch Unterführungen, Seitenstraßen und an unbeleuchteten Grünstreifen vorbei. Und eigentlich fühle ich mich dort als Frau in der dunklen Nacht immer sehr sicher. Das mag an der lauten Musik auf den Ohren liegen oder daran, dass ich die Strecke im Schlaf laufen kann und deshalb kaum noch auf die Umgebung achte. Natürlich recke ich instinktiv das Kinn etwas höher und mache den Rücken noch ein wenig gerader, wenn mir jemand entgegen kommt. Ansprechen verboten.

Doch irgendetwas läuft da falsch. Wieso wird im Dunkeln jeder Mann gleich zu einer potentiellen Bedrohung? Wie unterscheide ich mich da noch von dem mit Vorurteilen belasteten, kleingeistigen Abschaum, der aus jedem Asylanten sofort einen Kriminellen macht? Nun könnte ich das damit begründen, dass mir mit 14 alleine im Dunkeln tatsächlich mal beinahe etwas zugestoßen wäre. Aber das war kein Unbekannter mit dunkler Kapuze in einer einsamen Gasse, sondern ein guter Bekannter während drinnen eine Feier auf dem Höhepunkt war. Doch ob Eltern, Freunde oder Medien, ständig wird man als Frau dafür sensibilisiert, dass einem da draußen im Dunklen der schwarze Mann auf einen lauert. „Meld dich, wenn du sicher angekommen bist.“

Bei einem bewaffneten Raubüberfall bliebe mir keine andere Wahl, als meine 8 Euro 50 rauszurücken. In so einer Situation würde mir auch kein männlicher Geleitschutz oder Pfefferspray helfen. Aber wer sich in dieser Gegend auch ausgerechnet bei mir den großen Coup verspricht, dem würde ich fast schon aus Mitleid mein letztes Kleingeld geben. Dennoch suche ich gerade Infos zu einem Selbstverteidigungskurs zusammen. Schaden kann’s ja nicht und wenn es nur das eigene Selbstbewusstsein stärkt.