Well swing a little more…

Aus. Schluss. Vorbei. Das war es, mein erstes Serengeti Festival. Und ganz bestimmt war ich dort nicht zum letzten Mal. Schlimm genug, dass ich damit so lange gewartet habe. Denn Festivals sind toll und vor allem: Ich musste dafür nicht mal im Zelt schlafen. Yey! Denn hätte irgendeine höhere Macht gewollt, dass ich in einem Zelt übernachte, wäre ich Indianer geworden.

DSC_0349Zugegeben: Das Line-Up hätte besser sein können, gerade am frühen Nachmittag fehlte irgendwie irgendwas mit Schwung. Eine ordentliche Ska-Kapelle, die gemacht hätte, dass ich keine Minute länger freiwillig auf dem guten Senner Sandboden liegen geblieben wäre. Nichts gegen unsere Frühstücksgewohnheiten, aber so ein kleiner musikalischer Muntermacher wäre schon fein gewesen.

Aber genug gemotzt, denn in Wirklichkeit war es ziemlich gut und unfassbar lustig. Und da wir den Regen direkt nach Bielefeld geschickt haben, kamen wir auch recht glimpflich dabei weg. Natürlich nur dann, wenn man nicht gerade in einer Regenjacke mit unverschweißten Nähten rumlief, aber wer macht sowas schon… Egal, hauptsache das Bier verwässerte nicht allzu sehr.

Aber so ein Festival ist ja mehr als Spaß und Bier. Musikalisch hat der Freitag ganz schön einen vorgelegt. Bei Flogging Molly in der zweiten Reihe zu stehen war schon so richtig geil. Auch wenn ich da mit blauen Flecken und Muskelkater vom Abfangen der Pit-Ausläufer wieder raus bin bleibt mein Fazit: Meine Fresse, was macht der alte Mann für eine fantastische Show! Das war ganz bestimmt nicht mein letztes Flogging-Molly-Konzert.

[Dafür aber direkt im Anschluss unter Garantie mein letztes Konzert vom Kasperle, denn für arrogantes Getue und komisches Rumgehopse steige ich hier in Bielefeld einfach nachts am Jahnplatz aus und lasse mich dort anpöbeln.]

DSC_000031Samstag war ich da schon etwas skeptischer, da standen NOFX ganz oben auf der To-View-Liste. Und das eigentlich auch mehr als Pflichtprogramm, denn ich finde die auf Platte irgendwie recht unspektakulär. Aber live sind die echt witzig und machen ordentlich Stimmung. Macht zwei Volltreffer an einem Tag, kurz vorher waren nämlich noch die mir bis dato unbekannten Black Lips dran und haben mit sehr viel Freude bereitet.

Mein Sonntagshighlight wird hier sicherlich wieder die ganze Kritiker auf den Plan rufen, aber ICH stand vorne drin und hatte eine Stunde lang ganz großen Spaß: Papa Roach. Es war sogar noch viel besser, als damals im X in Herford. Punkt.

Lovehatetragedy.

Wie argumentiert man richtig, was man an einer Band eigentlich gut findet? „Sie gefällt mir halt“ wird nicht wirklich als Begründung akzeptiert. Bei den Ärzten fand ich früher™ die Texte immer so lustig. Heute „weilwegenisso“. Die Frage, was ich denn so für Musik höre, finde ich auch total gruselig. Entweder ist man mit dem Gegenüber schnell auf einer Wellenlänge oder man sucht so lange nach einer Mainstreamcombo, bis das Kennichnicht… kennichnicht… kennichnicht… endlich aufhört. Wobei das nicht ganz so schlimm ist wie „Aha. [Pause] Geschmäcke sind halt verschieden. [Theatralischer Schluck Bier] Hmmhmmm.“.

Manchmal komme ich mir auch vor wie in so einer Selbsthilfegruppe. „Hallo, mein Name ist Anna. Ich habe früher Nu Metal gehört und bin seit acht Jahren trocken.“ – „Hallo Anna.“ Dabei fand ich das damals gar nicht peinlich, sondern eigentlich ziemlich toll. Meine CD-Sammlung von damals bestand eben aus Linkin Park, Drowning Pool, Limp Bizkit und Papa Roach. Die von den Menschen um mich herum aber auch. Und ich war eher vorneweg und nicht nur schnöder Mitläufer. Natürlich hatte ich auch The Offspring, NOFX und bunt gemischten deutschen Punkrock im Regal, aber das war mehr so für mich. Der Rest war, zumindest bei uns, durch den ganzen Freundeskreis hindurch kompatibel. Und ich fand’s tatsächlich gut.

Nun sind Papa Roach dieses Jahr also auf dem Serengeti Festival mit dabei. Mich freut’s. Natürlich ist das schon etwas länger nicht mehr meine Musikrichtung. Aber damals halt schon und da hängen echt viele richtig gute Erinnerungen dran. Papa Roach habe ich am 6.6.2005 sogar einmal live im X in Herford gesehen. Ach, Coby Dick, der olle Selbstdarsteller. Das Konzert war vielleicht nicht gerade der beste Gig meines Lebens, aber bei mir ist der immer noch total präsent im Kopf. Vielleicht auch weil ich da damals zu zweit mit einem vor ewigen Zeiten sehr guten Kumpel hin bin. Mit dem ich mich aber in den 1 1/2 Jahren davor in einer Tour gezofft hatte. Das volle Programm mit „du kannst gerne kommen, aber XY ist auch eingeladen“. Wir sind da trotzdem zusammen hin und danach ging’s mit uns wieder. Und das weiß ich heute noch.

Deshalb gönnt mir meinen (manchmal) etwas skurrilen Musikgeschmack und meine Vorfreude. Es findet sich sicherlich mindestens eine weitere Band, zu der man gemeinsam den Laden auseinandernehmen kann.