Ode an die Armbanduhr.

Tick, tock, goes the clock, she cradled and she rocked her.
Tick, tock, goes the clock, even for Miss Cover…

Seit Samstag steht meine Armbanduhr mal wieder bzw. sie liegt nun nutzlos im Bad herum und es macht mich gelinde gesagt wahnsinnig. Die Uhr ist bestimmt schon vierzehn Jahre alt, hat dieses Jahr schon das dritte Paar Batterien gefressen und wahrscheinlich sollte ich sie langsam mal in Rente schicken. Also muss dringend eine neue Uhr her, denn ohne kann ich nicht. Wer mich kennt, den mag das wundern. Gefühlt habe ich schließlich sowieso ständig mein Handy in der Hand. In der Realität aber nicht.

Spielen wir einmal meinen Tag durch. Ich werde wach, gucke aufs Handy und stelle fest, dass ich wie üblich verschlafen habe. Ich eile ins Bad. Im Bad liegt die Armbanduhr über dem Waschbecken und zeigt mahnend und unerbittlich die Uhrzeit an. Das Handy müsste ich jedes Mal in die Hand nehmen, den Bildschirm aktivieren und danach die drei Schichten Zahnpasta-Makeup-Lidschatten wieder abwischen. Mal abgesehen davon, dass auf der Ablage sowieso jeder Zentimeter belegt ist und das Handy wahrscheinlich auf dem Spülkasten liegen müsste. Nicht ganz ungefährlich.

Ich flitze nun also zur Bahn, noch später als sonst, weil ich die Zeit nicht im Blick hatte. Draußen sind es 7 Grad, weshalb ich als Frau natürlich mindestens fünf Schichten Kleidung trage und ganz unter drunter ist das Handy. In der Hosentasche, an das kurze Kopfhörerkabel gekettet und gut verpackt. Um im Gehen einen Blick darauf zu werfen, stranguliere ich mich also beinahe, lege kurzzeitig meine Nieren frei und lasse das Gerät mit kalten Fingern wahrscheinlich auch noch fast fallen. Für den Blick auf die Armbanduhr reicht ein kurzer Griff an den Ärmel.

Weiter gehts. Irgendwie habe ich es gerade noch rechtzeitig ins Meeting geschafft. Weil es total schnell gehen musste, sitze ich dort ohne Kaffee und somit auf heißen Kohlen. Das Handy liegt aus Höflichkeit am Platz, es steht kein Laptopbildschirm im Sichtfeld und die Armbanduhr tragenden Herren verdecken diese im Herbst natürlich geschickt mit ihren Hemdärmeln. Nach der Uhrzeit zu fragen, geht auch nicht, denn dann wird einem sofort fehlende Motivation unterstellt. Trüge ich eine Armbanduhr, könnte ich ein nachdenkliches Am-Kopf-Kratzen imitieren und dabei einen verstohlenen Blick riskieren. Plötzlich kommen mir 30 Minuten wie eine Ewigkeit vor, schließlich könnte ja auch tatsächlich schon eine solche vergangen sein.

11 Uhr morgens und die fehlende Armbanduhr hat mich bereits mindestens dreimal an diesem Tag verrückt gemacht. Es mag die Gewohnheit sein, wenn man seine allererste Uhr bereits im Kindergarten bekam und seitdem nie ohne das Haus verlassen hat. Das war damals so eine richtig coole erste Uhr mit Flik und Flak als Zeigern. Keine Sorge, die gibt es nicht in meiner Größe. Aber auch wenn ich damit total old school klinge, mein Handy wird zwar über kurz oder lang den kompletten Jackentascheninhalt bis auf die Tempos ersetzen, aber meine Armbanduhr, die bleibt.